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5#: Männer können über vieles reden. Aber ungern darüber.

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Wenn es um Tod, Abschied und das Lebensende geht, wird es oft still. Gerade bei Männern.

Wir können über Leistung reden, über Disziplin, über Verantwortung. Wir funktionieren, tragen, halten aus. Aber sobald es um Verletzlichkeit, Endlichkeit und die wirklich großen Fragen geht, weichen viele lieber aus. Nicht, weil es ihnen egal ist. Sondern weil sie nie gelernt haben, wie man darüber spricht.

Ich war überrascht. Nein, falsch. Ich war enttäuscht. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Und wenn es ums Sterben geht, ist man ganz schön allein.

Männer und der Tod: Mut bis zur letzten Grenze – und dann?

Ich kenne Männer, die laufen ins Feuer für ihre Familie. Die schlafen vier Stunden, schleppen Projekte durch, stecken Rückschläge weg ohne mit der Wimper zu zucken. Krass mutig, wenn es um Leistung geht.

Und dann kommt das Thema Tod.

Und plötzlich ist da dieser Mann, der eben noch unerschütterlich wirkte, und will lieber reden über alles andere. Beim dritten Bier vielleicht. Lieber aber nie. Ich habe das so oft beobachtet, dass ich mir irgendwann eine ehrliche Frage gestellt habe: Wovor haben wir eigentlich solche Angst?

Ich glaube, es ist nicht der Tod selbst. Es ist das, was er aufmacht. Die Frage, ob das Leben, das ich lebe, das Leben ist, das ich leben wollte. Die Frage nach dem, was bleibt. Ob die Menschen, die mir wichtig sind, das auch wissen. Ob ich in Frieden gehen könnte, wenn es heute wäre.

Das ist unbequem. Also schieben wir es weg.

„Männer können über alles reden. Nur nicht über das, worüber es sich wirklich lohnt.“

Was Sterben mit Leben zu tun hat

Vor einigen Wochen habe ich mit Dr. Doris Ahlers gesprochen, Vorsitzende der Hospizstiftung Idsteiner Land. Sie baut gerade ein Hospiz. Nicht als Beruf, sondern weil sie überzeugt ist, dass der letzte Lebensabschnitt mehr Würde verdient als ein anonymes Krankenhausbett.

Was mich an dem Gespräch festgehalten hat, war nicht das Bauvorhaben. Es war das Bild, das sie gezeichnet hat.

Ein Hospiz ist kein Ort, wo man geht um zu sterben. Es ist ein Ort, wo man begleitet wird. Wo jemand Zeit hat. Wo die Familie nicht mehr gleichzeitig pflegen und trauern muss. Wo man im Garten sitzen kann. Wo die letzten Wochen nicht nach Klinik riechen.

Ich habe auch eine Freundin in einem Hospiz begleitet. In einem anderen Teil Deutschlands. Wir haben sie besucht, zusammen gegessen, Musik gemacht. Es hatte etwas Würdevolles. Etwas, das ich so nicht erwartet hatte. Nicht Abschiednehmen im Flur, nicht medizinisches Summen im Hintergrund. Sondern: ein Mensch, der gesehen wird.

Das Wort, das mir dazu einfällt, ist nicht Trauer. Es ist Würde.

„Guck mal, dass du lebst, bevor du stirbst.“

Ich sage das manchmal zu Leuten in meinen Coachings. Männern, die jeden Tag auf Hochtouren laufen, die stolz auf ihre Disziplin sind, die Ergebnisse liefern und Verantwortung tragen.

Und dann frage ich sie: Wann hast du das letzte Mal etwas gemacht, nur weil du es wolltest? Nicht für das Unternehmen. Nicht für die Familie. Für dich.

Es gibt diesen Satz, der mittlerweile schon fast abgenutzt ist, aber trotzdem wahr bleibt: Ich kenne niemanden, der auf dem Totenbett gesagt hätte, hätte ich doch mehr gearbeitet.

Das ist keine Einladung, weniger zu leisten. Ich liebe Leistung. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einem Leben voller Energie und einem Leben voller Vermeidung. Mancher Mann arbeitet zwölf Stunden nicht, weil er so viel liebt was er tut. Sondern weil die Alternative wäre, nach Hause zu kommen und sich wirklich zu fragen, wie es ihm geht.

Der Kontrollverlust kommt sowieso. Irgendwann. Die einzige Frage ist, ob du vorher gelebt hast.

„Ein voller Kalender ist kein Beweis für ein volles Leben.“

Was ich hinterlassen will

Wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich, dass ich ein wilder Mensch bin. Ich ecke an. Ich löse Emotionen aus, die nicht immer Beifall und Begeisterung sind. Ich nehme Platz ein.

Und was ich mir für meinen letzten Tag wünsche, ist, in Frieden zu gehen. Das bedeutet für mich: mit den Menschen, die mir wichtig sind, meine Konflikte gelöst zu haben. Meine Verantwortung darin übernommen zu haben. Nicht perfekt, aber ehrlich.

Und dann ist da noch der andere Teil. Dieser Podcast. Die Gespräche. Die Männer, die mir schreiben und sagen, das hat mir geholfen. Das ist kein Denkmal. Aber es ist das Gefühl, dass etwas bleibt, nachdem ich weg bin.

Doris hat das im Gespräch auch gesagt. Sie baut ein Hospiz, das sie selbst vielleicht nie braucht. Aber irgendjemand wird in diesem Garten sitzen. Auf einer Bank, die von jemandem gespendet wurde. Und wird seine letzten Wochen würdevoller verbringen, weil ein paar Menschen ihren Arsch hochgekriegt haben.

Das ist Gemeinschaft. Das ist, was bleibt.

Eine Frage für heute

Wenn du heute in dieser Stunde stirbst: Wer weiß, wie viel er dir bedeutet?

Nicht weil ich dich in Panik versetzen will. Sondern weil diese Frage aufmacht, was den meisten von uns wirklich wichtig ist. Und weil das, was sich dort zeigt, meistens nicht Karriere ist.

Ich kämpfe mit diesem Thema selbst. Jeden Tag neu. Aber der Unterschied zwischen früher und heute ist: Ich schaue hin.

Herzliche Grüße, dein Farid.

Aus der Episode

Die Episode, aus der dieser Text entstanden ist, habe ich mit Dr. Doris Ahlers aufgenommen. Sie baut gerade ein Hospiz im Idsteiner Land und sucht Unterstützer: als Pate, als Spender, oder einfach als Mensch, dem Würde am Lebensende nicht egal ist.

hospiz-idstein.de →

Zum Nachhören

Das ganze Gespräch gibt es in Folge #101 des MANN! Farid Podcast, überall wo du Podcasts hörst.

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