Ich arbeite mit vielen Menschen. Manche davon sind wohlhabend, manche prominent, viele erfolgreich in dem, was sie tun. Und trotzdem fällt mir eines immer wieder auf: Ein Teil von ihnen ist innerlich leer.
Nicht kaputt. Nicht krank. Leer. Speziell dann, wenn die großen Lebensaufgaben scheinbar erledigt sind. Karriere gemacht. Familie aufgebaut. Finanziell frei. Und dann steht da diese eine Frage, die keiner laut ausspricht: War’s das?
Das Muster, das ich erkannt habe
Es gibt aber auch die anderen. Die, die weiterhin motiviert sind, präsent, im Herzen stark. Die, bei denen du das Gefühl hast: Die wissen, warum sie morgens aufstehen.
Und ich habe lange hingeschaut, was diese Menschen von den anderen unterscheidet.
Es ist nicht ihr Beruf. Es ist nicht ihr Konto. Es ist nicht ihre Beziehung.
Sie engagieren sich. Sie sind Teil von etwas. Sie haben nicht aufgehört, sich als Gemeinschaftswesen zu begreifen.
„Sinn im Leben entsteht selten im Alleingang. Er entsteht fast immer in Verbindung.“
Das ist kein philosophisches Konzept. Das ist eine Beobachtung aus echten Gesprächen mit echten Menschen.
Was Engagement wirklich bedeutet
Wenn ich von Engagement spreche, meine ich nicht zwingend große Gesten.
Ich gehe hier bei uns in Idstein durch Felder, um Rehkitze aufzuscheuchen, bevor die Erntemaschinen kommen. Ich bin Mitglied bei Clean Water, die ein paar Mal im Jahr zum Flussufer-Säubern einladen. Ich unterstütze die Hospizbewegung in meiner Kommune, weil ich möchte, dass es hier einen Hospizplatz gibt.
Klein. Konkret. Ohne große Ankündigung.
Und ich habe mit dazu beigetragen, dass an der deutsch-tschechischen Grenze ein Waisenhaus entstand, mit einer Babyklappe, damit Frauen ihr Kind sicher abgeben können. Das war ein großes Projekt. Aber es fühlt sich nicht größer an als die Rehkitze.
Engagement als Sinnquelle bedeutet: Du wartest nicht darauf, dass andere die Welt besser machen. Du fängst an. Vor deiner Haustür. Mit dem, was dir liegt.
Warum es dir mehr gibt als es nimmt
Meine Mutter hatte für solche Dinge immer einen Satz: Sich regen bringt Segen.
Ich habe lange gebraucht, um wirklich zu verstehen, was sie damit meinte.
Sie meinte nicht Beschäftigung. Sie meinte nicht Produktivität. Sie meinte diese spezifische Energie, die entsteht, wenn du dich für etwas einsetzt, das größer ist als du selbst.
Du wirst abends liegen und denken: Heute habe ich was getan. Nicht erledigt. Getan. Das ist der Unterschied. Und der ist größer, als er klingt.
Hör auf zu warten.
Wir können immer auf die Politiker zeigen. Auf die Unternehmen. Auf die da oben. Das ist bequem. Das kostet nichts.
Aber es ändert auch nichts. Außer dass du das Problem von dir wegschiebst.
Den Finger umzudrehen, von anderen auf dich selbst, hat etwas Befreiendes. Weil du plötzlich nicht mehr wartest. Weil du Teil der Veränderung bist, nicht ihr Zuschauer.
Häufige Fragen
Warum fühle ich mich trotz Erfolg innerlich leer?
Weil Erfolg und Sinn zwei verschiedene Dinge sind. Erfolg entsteht oft durch Leistung und Ziele. Sinn im Leben entsteht meist durch Verbindung, durch das Gefühl, Teil von etwas zu sein, das über die eigene Person hinausgeht. Wenn das fehlt, bleibt trotz äußerer Erfüllung eine innere Leere.
Was schafft wirklich Sinn im Leben?
Nach meiner Beobachtung ist es fast immer Engagement in Gemeinschaft. Nicht zwingend groß oder spektakulär. Entscheidend ist, dass du dich für etwas einsetzt, das dir wirklich am Herzen liegt, und dass du dabei mit anderen in Verbindung bist.
Wie finde ich ein Thema, für das ich mich engagieren kann?
Frag dich, was dich schon immer geärgert hat, was du in der Welt vermisst, oder was du deinen Kindern hinterlassen möchtest. Dort liegt fast immer dein Thema. Dann schau, was in deiner Nähe bereits existiert, und mach einen ersten Schritt.
Es muss nicht perfekt sein. Es muss nicht groß sein. Es muss nur anfangen.
Find dein Thema. Steh dafür ein. Hinterlasse Spuren in diesem Leben.
Herzliche Grüße, dein Farid.
Dieses Thema habe ich in Episode #102 auseinandergenommen: Sinn durch Verbindung. Jetzt hören.
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